Das Auswärtsspiel bei Lübeck 93 kann man von zwei Seiten betrachten:
Nimmt man die sachliche, handballerische Betrachtung lautet die Spielbeschreibung so: Nach ordentlichem Beginn (4:4)warfen wir 15 Minuten kein Tor mehr, kämpften uns aber vor der Halbzeit noch mal gut ins Spiel (7:9). Im zweiten Durchgang konnten wir nach acht Minuten ausgleichen (10:10) und versäumten es dann, die mögliche Führung zu übernehmen und verzweifelten mehr und mehr an der stabilen und massiven Lübecker Abwehr. Der Versuch, mit offensiver Abwehr das Spiel zu drehen, misslang, so dass 93 am Ende unverdient hoch mit 22:15 gewann.
Nimmt man die emotionale Seite dieses Handball-Landesliga-Spiels in den Blick, dann sieht die Beschreibung so aus:
Das Publikum in der Meesenhalle erinnerte eher an den Stehplatzrang eines Fußballstadions. Kann man gegen pöbelnde Zuschauer wenig machen, so erwartet man von der gegnerischen Mannschaft und Bank bei aller sportlichen Rivalität zumindest ein Mindestmaß an Fairness. Diese ließ besonders der Lübecker Trainer vermissen. Die uns körperlich überlegenen Lübecker Spielerinnen teilten von Anfang an körperlich kräftig aus und wurden in ihrem Tatendrang leider von den sehr zurückhaltenden Schieris nicht gebremst. Zuerst ging es auf den Körper, dann vielleicht auf den Ball, so dass ein ums andere Mal eine unserer Spielerinnen verletzt zu Boden ging. Von der Untätigkeit der Unparteiischen ermuntert, wurden die Verletzungspausen von der Lübecker Bank regelmäßig zu lautstarken Pöbelattacken gegen die gefoulte Spielerin ("Schauspieler") genutzt - von den Schieris unkommentiert hingenommen. In meiner bisherigen Trainerzeit habe ich solch unfaires Verhalten von am Spiel Beteiligten bei Verletzungen nur selten erlebt. Leider haben sich mit fortlaufender Spieldauer unsere jungen Spielerinnen von diesen Attacken den Schneid abkaufen lassen und trauten sich immer weniger, sich auf ein Laufduell mit einer Lübecker Spielerin einzulassen, da sie einen Schutz durch die Schiedsrichter nicht erwarten konnten. Die ersten beiden Zeitstrafen nach 20 Spielminuten erhielten übrigens wir, was noch einmal nachhaltig verdeutlicht, wie wenig die beiden Herren das Spiel im Griff hatten. Zur Pause baten wir sie, wenigstens den Lübecker Trainer in die Schranken zu weisen, der sich in der 2.Halbzeit dann etwas mehr zurückhielt. Alle anderen Modalitäten änderten sich nicht: Sechs Schritte waren erlaubt, Stürmerfouls wurden eigentlich nie erkannt, die gegnerische Torhüterin durfte ungestraft den Scheibenwischer zeigen, die Härte blieb gleich, Zeitstrafen wurden auf beiden Seiten gegeben, aber ohne irgendeine klare Linie. Es hat sich glücklicherweise niemand ernsthafter verletzt und ich habe (zum ersten Mal in meinem Trainerleben) dem unfairen Trainer am Ende des Spiels den Handschlag verweigert. Den hatte er wirklich nicht verdient.
Es spielten: J. Wolf, S. Pfalzgraf im Tor, C. Riecke 5/3, L. Bielfeldt 4, A. Hoffmann 3/1, E. Dahms, E. Wicher, L. Gösch (je 1), J. Saggau, N. Schröder, M. Stapelfeldt.
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